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Denkzettel
ZUR FEUERUNGSTECHNISCHEN UND ENERGIEBERATUNG IM SCHORNSTEINFEGERHANDWERK
BRENNWERT-TECHNIK
Energieeinsparung: Wie ?
Sinnvoll Energie sparen - heißt das Verzicht ?
Als ein Ansatzpunkt, sinnvoll Heizenergie zusparen, hat
sich die Reduzierung der Verluste bei der
Wärmeerzeugungund -verteilung erwiesen. Einiges
wurde schon erreicht: Moderne Kesselerzielen deutlich
höhere Nutzungsgrade als ihre Vorgänger.
DieseMöglichkeiten sind inzwi-schen jedoch nahezu
ausgeschöpft. Einenennenswerte Reduzierung des
Energieverbrauchs ist im Bereich der Kesseltechnikim
Prinzip nur noch durch die weitergehende Nutzung der
Wärme ausden Abgasen möglich. Hier setzt die
Brennwert-Technik an. Energieeinsparungist für die
Bewältigung der wachsenden Umweltprobleme
unumgänglich,so wird in Zukunft mehr Augenmerk auf
die energetische Effizients von Anlagenund den
ökologischen Umgang damit zu richten sein. Verzicht
wird dortnotwendig werden wo heute noch
unbefriedigender, weil verlustreicher Umgangbetrieben
wird.
Energieeinsparung durch Wärmegewinn aus den Abgasen
Die Abgase von Feuerungsanlagen enthalten nichtnur
fühlbare Wärme, sondern auch versteckte
"latente"Wärme. Sie ist im Wasserdampf
gebunden, der beim Verbrennungsprozeßentsteht.
Normalerweise geht diese versteckte Wärme mit den
Abgasenungenutzt verloren.
Brennwertgeräte sind in der Lage, denAbgasen nicht
nur den Großteil der fühlbaren Wärme,
sondernauch den größten Teil der versteckten
Wärme zu entziehenund für das Heizsystem zu
nutzen. Sie kühlen die Abgase durchKontakt mit dem
Heizungsrücklaufwasser bis unter den Taupunkt
ab.Der mitgeführte Wasserdampf kondensiert und
setzt dabei Wärmefrei. Die Abgastemperaturen
können bis auf unter 40 °C sinken
Die nahezu vollständige Nutzung der
fühlbarenAbgaswärme erhöht den
Nutzungsgrad von Brennwertgeräten- im Vergleich zu
anderen Wärmeerzeugern - um etwa 3 - 5 %. Der
Wärmegewinn aus der Abgaskondensation kann
theoretisch den Nutzungsgrad bei Erdgaseinsatznoch
einmal um bis zu 11 % erhöhen. Es ergeben sich
somit Nutzgradevon bis zu 107%!
Brennwert Ho und Heizwert Hu - Steht die Physik auf den
Kopf?
Mehr als 100 % Nutzungsgrad !? Schuld an dieseretwas
verwirrenden Nutzungsgrad-Angabe hat der untere Heizwert
Hu der alsHeizwert bezeichnet wird und auf den sich der
Wirkungsgrad bezieht. Nebendiesem gibt es noch den
oberen Heizwert Ho der als Brennwert bezeichnetwird.
- Heizwert Hu: Berücksichtigt nur die Wärme, die ohne Abgaskondensation nutzbar ist.
- Brennwert Ho: Gibt die gesamteWärmemenge an, die bei der Verbrennung frei wird, also auch die Wärme,die im Wasserdampf der Abgase gebunden ist.
Funktionsweise von Brennwertgeräten
Brennwertgeräte haben ihren Namen erhalten,weil sie
nahezu die gesamte gewinnbare Wärme nutzen, also
den Brennwertder Energie. Bei herkömmlichen Kesseln
wird dagenen nur der Heizwertgenutzt. Er dient deshalb
bisher - mit 100 % - stets als Bezugspunkt fürdie
Angabe des Nutzungsgrades. Um vergleichbare Aussagen zu
haben, gibtman auch bei Brennwert-geräten den
Nutzungsgrad auf der Basis desHeizwertes an. Deshalb
liegen die Werte zum Teil über 100 %. Wie ineinem
herkömmlichen Heizkessel wird bei
Brennwertgeräten derBrennstoff einem Brenner
zugeführt. Als Brenner werden
atmosphärischeBrenner, Gebläsebrenner und
Thermo-max-Brenner (Vormischbrenner) eingesetzt.Wobei
der Letztere, zum Teil auch als Keramik-Brenner
ausgeführt,besonders effektiv und schadstoffarm die
Energie umsetzt. Neben der normalenEnergieumwandlung im
Wärmetauscher (Feuerraum) erfolgt ein
zusätzlicherGewinn an Kondensationsflächen.
Bei modernen Geräten (Geräteder zweiten
Generation) findet die Wärmeübertragung bis
hin zurKondensation in einer Stufe, also räumlich
nicht getrennt, statt:Der Heizungsrücklauf
mündet am unteren Ende der
Kondensationsflächeein und wird im Gegenstrom zu
den Heizgasen durch den Wärmetauschergeführt.
Im unmittelbaren Flammenbereich verläßt das
aufgeheizteWasser dann wieder das Gerät. Der
gesamte Geräteblock bestehtinnen aus
korrosionsbeständigen Material. Der Brenner wird so
angeordnet,daß die Verbrennungsgase nach unten,
oder seitlich - waagerecht -strömen. Das gebildete
Kondenswasser kann also nicht auf den Brennertropfen.
Das für die Abgasabführung erforderliche
Gebläsebefindet sich in der Regel auf der
Verbrennungsluftseite. Das Gerätund auch die
Abgasabführung befindet sich also im Überdruck.
Warmwasserbereitung mit Brennwertgeräten
>Sinnvoll ist es, die Warmwasserbereitung inVerbindung
mit einem indirekt beheizten Speicher vorzunehmen. Durch
niedrigeBereitschaftsverluste werden selbst im
Sommerbetrieb hohe Nutzungsgradeerzielt. Dies gilt
besonders, wenn Schichtenspeicher verwendet werden.Sie
erwärmen das Wasser nicht - wie üblich -
über eine imSpeicher angeordnete Heizfläche,
sondern über einen
aufgesetztenWärmeaustauscher. Das erwärmete
Wasser wird von oben in den Speichergeschichtet.
Gleichzeitig strömt kaltes Wasser vom Boden das
Behälterszum Wärmetauscher nach und
fördert dadurch die Abgaskondensation.So kann
während der gesamten Aufheizzeit und auch bei
Nachheizvorgängenein kondensierender Betrieb
erreicht werden. Ebenfalls gut geeignet
sindSchlangenrohr-Speicher mit groß bemessenen
Heizflächen, dieauch bei niedrigen
Heizwassertemperaturen eine Erwärmung des
Speicherinhaltsermöglichen.
Abgasabführung
Der normale, herkömmliche Hausschornsteinist
für die Abgasabführung nicht geeignet, weil
die Abgase nichtmehr genug Auftrieb haben und durch die
Restfeuchte auch im Abgasweg nochKondenswasser
anfällt. Außerdem befinden sich die Abgase
inder Regel im Überdruck (Schornsteine haben keine
ausreichende Druckdichte).Als geeignete Lösung
bieten sich korrosionsfeste + druckdichte
Abgasleitungenoder mehrschalige, feuchteunempfindliche
Schorn-steine (Druckabbau an derEinführung in den
Schornstein erforderlich) an. In der Regel wirdeine
Abgasleitung in einen bestehenden Schornstein oder in
einen spezielldafür geeigneten Schacht eingezogen.
Dies bietet sich vorallem fürAltbauten an. Rings um
das Abgasrohr muß ein freier Querschnitt
verbleiben,der als Hinterlüftung dient und
eventuell austretende Abgasleckmenegensicher
abführt. Gleichzeitig kann dieser als Ringspalt
bezeichneteQuerschnitt die notwendige Verbrennungsluft
im Gegenstromprinzip von derSchachmündung im Freien
fördern.
Kondenswasser - Wohin ?
Zwangsläufig (und gewollt) fälltbei der
Brennwertnutzung Kondenswasser an. Ganz grob gerechnet
kann manvon 1 Liter pro Tag und kW installierte
Kesselleistung ausgehen. Dies entsprichtin etwa 1 - 2 %
der Gesamtmenge des Haushaltabwassers. Die kommunalen
Abwasserbestimmungensind maßgebend für die
Einleitung in die öffentliche Kanalisation.In der
Regel orientieren sich diese Bestimmungen an den
Richtlinien derAbwassertechnischen Vereinigung (ATV).
Das ATV Merkblatt M 251 (05/88)berücksichtigt
folgende Regelungen:
Gas-Brennwertgeräte bis 25 kW
Nennwärmebelastung:Das Kondensat darf ohne
Neutralisation in das häusliche
Abwassersystemeingeleitet werden. Bedingung:
Abwasserrohre müssen gegenübersauren
Kondensat beständig sein.
Gas-Brennwertgeräte von 25 bis 200kW
Nennwärmebelastung: Das Kondensat kann
ebenfalls eingeleitetwerden, wenn eine geeignete
Rückhaltevorrichtung besteht, die dasKondensat
sammelt und nur während der Tagstunden
gemeinsam mit demhäuslichen Schmutzwasser
einleitet. Bedingung: Säurefracht darfeinen
bestimmten Wert nicht überschreiten (pH <
6,5).
>Gas-Brennwertgeräte über 200
kWNennwärmebelastung: Das Kondensat ist vor
der Einleitung zu neutralisieren.
Wirtschaftlichkeit und Amortisation
Grundsätzlich kann davon ausgegangen
werden,daß der Einbau eines Brennwertgerätes
einschließlich dererforderlichen Abgas- und
Kondensatvorrichtungen höhere
Anlagenkostenverursacht als konventionelle Heiztechnik.
Der Anreiz für den Verbrauchereine neue Technologie
einzusetzen, ergibt sich natürlich nach wievor in
erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen. Der
Vorteil derBrennwerttechnik liegt auf einer großen
Energieersparnis, so daßsich durchaus vertretbare
Amortisationszeiten ergeben. Die Wirtschaftlichkeiteines
Brennwertgerätes hängt stark von den
jeweiligen Voraussetzungenund Randbedingungen ab,
insbesondere vom vorhandenen bzw. geplanten
Heizsystem.Sie bestimmen das Verhältnis der
Mehrkosten zur erzielten Energieeinsparung.
Beispiel zur erzielbaren Energieeinsparung:
- Heizungsanlage mit 20.0 kW
- Gas-Spezialheizkessel mit Brenner ohne Gebläse
- Kesselwirkungsgrad 92.0 %
- Brennstoffbedarf in etwa 2.10m³/h
- Heizungsanlage mit 20,0 kW
- Gas-Brennwertkessel
- Kesselwirkungsgrad 105 %
- Brennstoffbedarf in etwa 1,84m³/h
Bei einer Jahresbetriebsdauer von 1500 h ergibt dies ein Differnzvon 390 m³ oder 4037 kW/h. Die sind jährlich Energieeinsparungenvon ca. 200 DM (Stand 1994).
Quelle: InformationErdgas; ZIV-Taschenbuch
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